Crowdsourcing in der Bibliothek

Die Vorbereitungen für das InfoCamp 2012 laufen! Mit Citavi und eBay als Sponsoren und der HTW Chur als Gastgeber gibt das Orga-Team sein Bestes. Ideen für Themen sind bereits jetzt willkommen! Einfach in das Wiki eintragen. Hier mein Vorschlag:

Ein Themenfeld, das mich in den letzten Wochen beschäftigt, ist Crowdsourcing im bibliothekarischen Alltag. In der Vergangenheit sind mir mehrere Citizen-Science-Projekte begegnet, bei denen bibliothekarische Aufgaben durch Freiwillige bearbeitet werden. Beispiel für ein solches Projekt ist ARTigo. Das Motto dieses „Kunstgeschichtsspiels“ lautet „social image tagging“. In einem Interview mit dem Kunstmagazin ART beschreibt der Kunsthistoriker Hubertus Kohle, einer der Initiatoren, Sinn und Zweck von ARTigo:

„Artigo ist eine Internetanwendung, bei der zwei Nutzer zusammengeschaltet werden, die gemeinsam Schlagworte für auf dem Bildschirm präsentierte Kunstwerke finden müssen. Für Treffer gibt es Punkte, und der Highscorer bekommt einmal im Monat einen Geld- oder Buchpreis.“

ARTigo greift das von dem Informatiker Luis von Ahn geprägte Konzept des „game with a purpose“ auf. Dabei wird der Bestand der Bilddatenbank Artemis, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München betrieben wird, durch Freiwillige annotiert. Ein Video erklärt das Spiel.

Ein weiteres Beispiel für Crowdsourcing im bibliothekarischen Umfeld ist das äußert professionell umgesetzte Projekt Old Weather. Hier transkribieren Freiwillige digitalisierte Logbücher britischer Kriegsschiffe aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Die in diesem Projekt durch Transkription erworbenen Wetterdaten helfen Klimawissenschaftlern Aussagen über das zukünftige Klima zu tätigen. Die Betreiber haben einige sehr sehenswerte Videos über das Projekt und sein Anliegen erstellt. Gefördert wurde das Projekt von JISC. Die Umsetzung wurde durch Zooniverse realisiert. Diese Citizen Science Plattform ist aus dem mittlerweile sehr bekannten wissenschaftlichen Crowdsourcing Projekt Galaxy Zoo entstanden, in dem Galaxien klassifiziert werden können.

Auch die Bibliotheken der Teilchenphysik setzen auf Crowdsourcing: Im Rahmen von INSPIRE, dem zentralen Informationsportal der Disziplin, wird mit großem Erfolg Crowdsourcing bei der Autorenzuordnung („Author Disambiguation“) betrieben (Brooks et al. 2011).

Die Journalistin Astrid Herbold hat Anfang des Jahres im Tagesspiegel einen lesenswerten Artikel geschrieben, in dem sie einige Crowdsourcing Aktivitäten von Bibliotheken beleuchtet. Dabei geht sie nicht nur auf den Nutzen von Crowdsourcing bei der Erschließung von Informationsobjekten ein, sie beleuchtet auch das Potenzial von Crowdsourcing beim Bestandsaufbau. In ihrem Artikel stellt sie u.a. das Projekt Europeana 1914-1918 vor, in dem „Bilder, Briefe, Postkarten, Erinnerungsstücke oder andere Objekte“ rund um den Ersten Weltkrieg gesammelt werden. Freiwillige haben über ein Webformular die Möglichkeit ihre Materialien Bibliotheken zur Verfügung zu stellen und damit für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzbar zu machen.

Dies sind nur einige Bespiele für das Potenzial von Crowdsourcing im bibliothekarischen Umfeld. Vielleicht können wir das InfoCamp 2012 nutzen, um weitere Projekte, Erfahrungen und Ideen rund um das Thema zu sammeln und zu diskutieren?

3 Gedanken zu “Crowdsourcing in der Bibliothek

Add Comment Register

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>